| Die Bildgestaltung |
1.
Der Ausschnitt ("Kameraeinstellung") bringt die Aussage
Die Aufnahme ist ein Ausschnitt aus dem gesamten Blickfeld des
Beobachters.
Totale: z.B. Panorama einer
Landschaftsaufnahme mit sehr vielen Details. Um alles zu erfassen, müsste man
das Bild sehr lange betrachten oder die Einzelheiten mit einer Lupe abtasten
(siehe Brueghel-Bild!).
Halbtotale
Amerikanisch: typische Darstellung aus Wildwestfilmen - Hand am
Colt, Patronengürtel!
Halbnah(aufnahme)
Nah(aufnahme)
Groß(aufnahme)
Detail(aufnahme)
2.
Hoch- und Querformat:
Unser
Gesichtsfeld ist oval-horizontal angeordnet. Auch der Film, das Kino verwendet
Querformat, ähnlich das Fernsehen und die meisten Werbeplakate.
hingegen: Hochformat bei
Altarbildern, Kirchenfenstern, Buchillustrationen als "erhebendes
Moment".
3.
Raumtiefe:
Vordergrund
Mittelgrund
Hintergrund
müssen durch gestalterische Elemente erkennbar sein! Das Bild bekommt dadurch erst an
Tiefenwirkung!
technisch-fotografische Möglichkeit: Schärfentiefe durch geeignete
Blendenvorwahl gestalten!
Verwendung
von Weit-, Normal- oder Teleobjektiv!
gestaltete Unschärfe oder Schärfe!
4.
Das Licht, die Beleuchtung:
Ihm
kommt eine nicht unwesentliche Bedeutung an der Gesamtwirkung eines Bildes zu:
warmes Licht am Morgen oder
Abend
kaltes Licht in der Dämmerung
harte Kontraste um die
Mittagszeit
Schattenwirkung durch flach
oder steil einfallendes Licht
Kunstlicht oder Sonnenlicht
Streiflichter
Gegenlicht
Seitenlicht
5.
Der Goldene Schnitt:
ein
künstlerisches Gestaltungsprinzip, das man weit bis in die Antike verfolgen
kann.
Näherungswert: Rechteck des Bildfensters senkrecht und waagrecht in drei
gleiche Teile teilen: Die bildwichtigen Elemente sollen an
den Schnittpunkten bzw. ein wenig einwärts zur Mitte stehen.
Verteilung Horizont - Himmel
links - rechts - Orientierung
ins Bild / aus dem Bild schauen
6.
Ausgewogene Linienführung, Diagonalen:
positive
negative Diagonale
Die
Diagonale ist die dynamischste aller Linien, die Linie der Aktion und der Tat.
Diagonalen oder diagonale Handlungsachsen fordern die Aufmerksamkeit des
Betrachters sehr stark heraus.
Auch die perspektivische Sicht
bedient sich dieser Diagonalen-Wirkung. Man kann den Raum "ablesen".
horizontaler oder im rechten
Winkel gesetzter Blick wirkt fad oder spannungslos!
7.
Die Links-Rechts-Komposition:
Mann rechts
Frau links
Bewegung zum Positiven im Film: nach rechts
8.
Gleichgewicht, Ausgewogenheit, Kameraperspektive:
ungerade Zahl von Elementen:
3, 5, 7, 9
siehe auch: "heilige Zahlen": 7, 5, 12 = 9 + 3
Ist das Bild angefüllt
oder überschaubar?
Froschperspektive wirkt vergrößernd,
steigernd
Normalperspektive
Vogelperspektive wirkt verkleinernd, mindernd
Werbeplakate:
Bei der Bilddramaturgie sprechen wir normalerweise
von der klassischen und der offenen
Dramaturgie.
Die Werbefotografie bedient sich oft einer offenen Dramaturgie: Der
bildwichtige
Teil wird oft nicht dorthin komponiert, wo wir ihn erwarten. Das hat
psychologische Gründe und hängt mit dem Trick des Verbergens und Enthüllens
zusammen.
Beispiel: Coca Cola-Flasche
früher groß im Bild - heute riesengroßes Mädchen mit einem
überdimensionalen
Sandwich, die Cola-Flasche winzig klein im linken Eck! -
"Understatement"!
Das fotografische Sehen
Das Auge sieht
mit dem Herzen, das Gehirn interpretiert, deutet um
Die Kamera
bildet sklavisch ab, was vor die Linse kommt, sie registriert nur.
Das Auge konzentriert sich auf das Wesentliche und übersieht unwichtige Teile,
die Kamera gibt Wichtiges und Unwichtiges in
gleicher Weise wieder!
Das Auge tastet das gesamte Blickfeld ab und registriert Einzelheiten in der Totale und
zugleich im Detail zusammen,
die Kamera liefert nur einen Ausschnitt.
Umgekehrt:
Ein fotografisches Bild, z. B. ein Diapositiv in einem völlig verdunkelten
Raum, kann eine wesentlich intensivere Wirkung erzielen als das Ereignis
selbst!
Andererseits kann die Fotografie einen schwächeren Eindruck von einem Ereignis
liefern als es der Betrachter selbst erlebt hat.
"Nichts
ist so subjektiv wie das Objektiv einer Kamera"
Richtige Wahl von:
Ausschnitt
Blickwinkel
Aufnahmeabstand
Objektivwahl und Brennweite
Beleuchtung
Räumliches Sehen:
Das menschliche Auge sieht mit zwei Elementen, also räumlich, die Kamera
nur mit einem Auge, also flächig. Wir müssen ihr die Raumtiefe erst durch
gestalterische Hilfen mitgeben!
Fotografisches Sehen:
Die Kamera registriert sklavisch
Telegrafenmast hinter einer Person:
Der Mast wächst aus dem Kopf heraus.
Nasen in der Nahaufnahme
(Weitwinkelobjektiv!) erscheinen überproportioniert, Nasenlöcher von unten
sind auch nicht schön.
Hände oder Füße - vor die
Kamera gestreckt - wirken übergroß und unproportioniert.
Gebäude, schief aufgenommen,
weisen fallende Linien auf.
Telefondrähte werden oft übersehen
und zerstören die Bildwirkung.
Hässliche
Schatten lassen junge Gesichter oft alt erscheinen.
Zusammenfassung
1. Klarheit
2. Ursprünglichkeit und Echtheit
3. Ungewöhnliches und ungewöhnliche Blickwinkel
steigern die Bildwirkung
4. Farbigkeit des Motivs: Alltägliche
Farben wirken weniger interessant als ungewöhnliche Farben. Kräftige und gesättigte
Farben sind wirkungsvoll, aber auch sehr feine Farbtöne können beeindrucken.
5. Bewegte Bilder erregen eher
die Aufmerksamkeit als ruhende.
6. Lange Brennweiten
(Teleobjektive) sind vielfach den normalen vorzuziehen (Distanz!).
7. Nahaufnahmen bringen
interessante Einzelheiten, die der normale Blick nicht aufnimmt. Sie sind
deshalb
oft der Totalen vorzuziehen.
8. Gegenlicht macht die
Aufnahme dramatischer - diese Aufnahmen sind freilich ungleich schwieriger zu
fotografieren als mit Vorderlicht.
9. Der Fotograf muss
lernen, seinen Gesichtssinn zu aktivieren, die anderen Sinne (Gehör,
Geruch, Geschmack, aber auch bestimmte Emotionen) abzuschalten. Was bleibt, ist
nur das Bild, die optisch-grafischen Aspekte zählen.